Serie Teil 4: Die Sache mit dem Chi: Körperempfindungen, wenn das Chi (Prana) fliesst

In diesem Beitrag möchte ich darüber schreiben, wie Chi sich im Körper anfühlt, was sich durch regelmäßiges Qigong-Training verändern kann und warum der Körper so reagiert. Inspiriert wurde ich beim letzten Workshop, als ich mich mit einem Teilnehmer (Heilpraktiker) etwas länger über Chi und die verschiedenen Körperempfindungen unterhielt.

Zeichen des Fortschritts der Qigong-Praxis

Aufstoßen, Blähungen, Husten

Eine wesentliche Aufgabe von Qigong ist das Heraustransportieren von toxischen Elementen und stagnierender, negativer Energie. Dieser Entgiftungsprozess kann zu Aufstoßen, Blähungen oder Husten führen, besonders bei Menschen mit chronischen Magen- oder Leberproblemen.  Bei Lungenproblemen kann der gelöste Schleim durch Husten gelöst und ausgeschieden werden. Eine ungesunde Verdauung oder kranker Darm (Parasiten) wird sich über den Anus regulieren.

Entgiftung (Alkohol und Drogen)

Besonders bei viel Alkohol- und Drogenkonsum und ungesunder Ernährung kann der Entgiftungsprozess noch stärker ausfallen (zusätzlich zum o.g. Punkt), z.B. durch eine laufende Nase, tränende Augen oder häufiges Gähnen. Je gereinigter Ihr Körper wird, desto mehr lassen diese Symptome nach. Wer den Prozess beschleunigen will, übt anfangs etwas häufiger und reduziert dann wieder. Am Anfang meiner "Qigong-Karriere" spürte ich ein deutliches Zwicken und Stechen in der Lebergegend, nachdem ich am Vorabend den in meiner Heimat typischen Slivovic getrunken hatte. (Mittlerweile trinke ich gar keinen Alkohol mehr.)

Hitze

Wenn Hitzeempfindungen in  Teilen des Körpers auftreten bedeutet dies, dass dort bisher zu wenig Blut und Energie war und dieser Teil jetzt mit Energie versorgt wird.

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Oft ist Hitze auch ein Zeichen von Heilprozessen im Körper, z.B. wenn Bakterien, Toxine oder andere krankmachende Dinge im Körper aktiv sind. In diesem Fall dreht der Körper quasi die Heizung auf, um das Immunsystem anzuregen und die Eindringlinge "abzufackeln". 🙂

Dann gibt es so etwas wie "spirituelle" Hitze. Diese entsteht, wenn Kräfte in den Chakren aktiviert werden. Ein tpyisches Gefühl ist das Aufsteigen der Energie  vom Kreuzbein (Wurzelchakra)  die Wirbelsäule entlang nach oben. Wenn die nächsten/oberen Chakren "angetriggert" und Kräfte freigesetzt werden, kann dort lokal Hitze erzeugt werden. Die Inder nennen diese Kraft auch Kundalini oder Prana.  Bekannt ist der Begriff bzw. die Empfindungen aus dem Kundalini Yoga, wo durch Atem- und Visualisierungstechniken versucht wird, diese Kraft zu wecken. Es gibt auch immer wieder spontane Kundalini-Erwachen mit teils heftigen Symptomen. (Mehr dazu demnächst hier.)

Schwitzen tritt (auch bei stillem Qigong) auf, wenn der Körper überschüssige Feuerenergie abgibt. Vor dem Duschen sollte man deshalb mind. 30 Min. warten, bis die Poren wieder verschlossen sind.

Kälte

Kälte tritt meist bei stillem Qigong auf, wenn der Mensch zu lange (in kühlen Räumen) still sitzt. Bei bewegten Formen, wie dem Wildgans Qigong, ist dies selten, da meist mehr als genug innere Wärme produziert wird.

In emotional angespannter Verfassung, insbesondere bei Angst oder bei nervlicher Anspannung können Kältegefühle eine häufige Nebenwirkung sein.  Qigong sollte in solch extremen Momenten nicht praktiziert werden, da diese Gefühle die Energiezirkulation blockieren. Regelmäßiges Üben allerdings reduziert negative Gefühle, harmodisiert die Psyche und bringt mehr Ruhe und Ausgeglichenheit.

Kribbeln und Jucken

Kribbeln in den Extremitätiten - vor allem in Händen und Füßen - ist eines der ersten Anzeichen, dass Chi fliesst. Zum einen wird die Zirkulation verstärkt, so dass zusätzliches  Blut und zusätzliche Energie bis in die Finger- und Zehenspitzen fliesst. Deshalb verschwinden bei vielen Menschen die typischen kalten Hände oft schon beim ersten Üben.

Zum anderen werden die Nervenimpulse im gesamten Nervensystem besser weitergeleitet. Das ist vergleichbar mit dem Hinauftransformieren in einem elektrischen System. Das Kribbeln kann sich buchstäblich anfühlen wie (Stark-)Strom, der durch den Körper fliesst oder wie klitzekleine Ameisen, die durch bestimmte Muskelpartien wuseln. Manch einer kennt dies vielleicht von den Elektrobehandlungen, wie sie (früher) oft in Massagezentren durchgeführt wurden.

Wenn die Energie (oberflächlich) durch die Haut strömt, kann es zum Jucken kommen, so als würden kleine Insekten direkt unter der Haut krabbeln. Dabei wird Energie um den Körper herum aufgebaut, um den Körper (Aura) zu kräftigen und zu schützen. Besonders gut beobachten konnte ich diese Energie, als ich Qigong im Wasser übte. Um meine Beine herum bildeten sich kleine Luftbläschen, die kitzelnd am Bein entlangtanzten wie aufsteigende Kohlensäure in einer Wasserflasche. 🙂

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Wenn Energie durch  die Chakren (Energietore) in den Körper hineingezogen wird, kann dies auch zu verstärktem Juckreiz führen. Ich selbst habe das im Nacken beobachtet, wenn das Halschakra  besonders aktiv war sowie oben auf der Kopfmitte beim Kronenchakra, so als hätte man Läuse. 🙂

Und natürlich kann es auch beim Entgiften (über die Poren) vorübergehend zum Juckreiz kommen. Das Kribbeln und Jucken verschwindet, wenn der Körper den Entgiftungsprozess beendet bzw. sich das Nervensystem auf das höhere Energielevel eingestellt hat.

Schlaflosigkeit

Qigong sollte abends nicht zu spät bzw. nicht direkt vor dem Schlafengehen geübt werden, da der Blut- und Energiekreislauf angeregt werden. Insbesondere im Gehirn werden große Areale aktiviert, die vorher brachlagen. Die Folge ist eine höhere Vitalität und das Erwecken latenter zerebraler Kräfte. Also: Besser morgens üben und die Energie mit in den Tag nehmen!

Wenn sich der Körper auf die verstärkte Sekretion von Hormonen und Neurotransmittern eingestellt hat,  wird der Schlaf tiefer und die Schlafdauer kürzer.

Schmerzen

Gelegentlich können alte Verletzungen oder Wunden plötzlich erneut schmerzen oder es kann zur Erstverschlimmerung kommen. Dies hört jedoch meist genauso spotan wieder auf, wie es begonnen hat.

Schwere und Leichtigkeit

Viele Anwender von Wildgans Qigong berichten gleich zu Beginn des Übens von  einem angenehmen Gefühl von Leichtigkeit. Dies haben sie der Yang-Energie aus dem Himmel zu verdanken, die gleich in der ersten Übung (Baihui-Punkt auf der Kopfmitte) in den Körper eintritt. Ein Gefühl von Schwere kann auftreten, wenn  viel Erdenergie (Yin) über die Erde aufgenommen wird. Während die Schwere nach einer Weile meist nachlässt, kann die Leichtigkeit unbegrenzt bestehen bleiben.

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Schwindel

Wenn plötzlich viel Sauerstoff und Energie aufgenommen wird und das Gehirn vorher schlecht durchblutet war, kann es aufgrund der erhöhter Sauerstoffzufuhr im Gewebe und der "Neuorientierung" der Neurotransmitter für eine Weile zu Schwindel kommen. Das hört auf, wenn das Gehirn sich an das neue Energieniveau gewöhnt hat.

Auch der Ausstoß von Giften aus dem Gehirn und Hals kann zum Schwindel führen, da insbesondere Schwermetalle gern an Nervengewebe andocken. Dieses ist am Gehirn konzentrierter vorhanden.

Schließlich kann auch zu heftiges Atmen oder das Anhalten von Atem (stilles Qigong)zum Schwindel führen.

Sexuelle Erregung

Besonders bei Qigong-Formen mit aktiver Bauatmung kann es zu verstärkter sexueller Erregung kommen. Wenn man tief in den Unterleib atmet, wird die Hormonsekretion angeregt, was den Sexualtrieb verstärkt. Durch die tiefe Zwerchfellatmung wird auch die Nierenenergie verstärkt, die den Sexualtrieb steuert. Das Zusammenziehen des Schließmuskels in der Hocke im Wildgans Qigong (Übung 63) sorgt u.A. für eine natürliche Stärkung des Sexualcharakas und der Sexualorgane.

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Spontane Bewegungen

Bei manchen Qigong-Formen, insbesondere den stillen, kann es zu spontanen Bewegungen von Kopf, Gliedmaßen, Rumpf oder Körper kommen - manchmal auch zu Kriya-Stellungen, die manchen Yoga-Positionen ähneln. In diesem Fall werden tiefsitzende Energieblockaden korrigiert und über verschiedene Meridiane und Energietore (Chakren) ausgeschieden. Bei diesen Bewegungen verschafft sich die Energie Durchlass und öffnet die Leitbahnen. Menschen mit Rückenproblemen können z.B. Bewegung in der Wirbelsäule wahrnehmen. Bei Tänzern können spontane Bewegungen der Beine beobachtet werden. Ich selbst habe schon fasziniert wahrgenommen, wie "literweise" Energie in meine Arme und Hände fliesst und sich diese zu eigenen Bewegungen verselbstständigen. Wahrscheinlich, damit die Worte leichter fliessen. 🙂 🙂

Zittern und Zucken

Zittern und Zuckungen können (anfangs) auftreten, wenn die Muskeln auf die verstärkte Blutzirkulation und die bessere Reizleitung in den Nerven regieren. Besonders bei (chronisch) verspannten Muskelpartien, z.B. Schultern und Rücken, kann dies als gutes Zeichen gewertet werden, da die Energie versucht, sich durch das verspannte Gewebe durchzuarbeiten.

Spontanes Zittern ist ein deutliches Zeichen für Fortschritt, denn jetzt öffnen sich die großen Kanäle (Meridiane) und die Energie kann frei fliessen. Am besten, man lässt all dies einfach geschehen, entspannt und tut nichts dafür oder dagegen. Ich selbst bin dankbar für solche Prozesse und sehe sie als Selbstheilungsprozess und Zeichen der Wachsamkeit meines Körpers. Wenn der Organismus sich an das höhere Niveau gewöhnt hat, hören die Symptome von alleine wieder auf.

Übernatürliche Kräfte

Das Auftreten übernatürlicher Kräfte zeigt an, dass man auf den höchsten (spirituellen) Ebenen der Praxis Fortschritte macht. Es kann zu Hellsichtigkeit, Hellhörigkeit, Visionen und verschiedenen anderen spirituellen Phänomenen und Fähigkeiten kommen.

Diese Entwicklung wird neben einer langjährigen Qigong-Praxis gefördert durch eine gesunde Lebensweise mit gesunder, fleischarmer Ernährung, Alkoholverzicht, viel Zeit in der Ruhe und Natur. Auch das Beten - also die Rückverbindung zum Göttlichen/Universum - spielt dabei eine Rolle.

Wichtig ist, diese Entwicklung dankbar als Geschenk des Universums anzunehmen und nicht für profitorientierte Handlungen zu missbrauchen. Dieses Stadium ähnelt oder gleicht einem Kundalini-Erwachen oder einer aktiven Kundalini.

Da dies ein hochspannendes und hochkomplexes, aber kaum bekanntes Thema ist, gehe ich in einem der nächsten Beiträge genauer darauf ein.

Quelle: Chi-Gung von Daniel Reid und eigene Erfahrungen

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