In diesem Beitrag möchte ich euch die gesamte Abfolge im Wildgans Da Yan Qigong – bestehend aus 2×64, also 128 Einzelsequenzen – vorstellen und welche Rolle sie im Transformationsprozess darstellen.
Qigong im Allgemeinen ist ein traditionelles chinesisches System aus Bewegung, Atmung und Bewusstsein, das darauf abzielt, den Qi-Fluss im Körper zu harmonisieren und Gesundheit sowie Lebensqualität zu fördern. Qigong stellt die 5. Säule in der Traditionellen Chinesischen Medizin dar, und zwar den Teil, der die Selbstfürsorge berücksichtigt.
Innerhalb dieses weiten Feldes der Qigong-Stile (es werden ca. 10.000 geschätzt) nimmt das Wildgans Qigong (auch Da Yan oder Wild Goose Qigong genannt) eine besondere Stellung ein: Es ist ein klassisches daoistisches Übungssystem mit langer Überlieferung, das in zwei zentralen Teilen praktiziert wird – der 1. 64-Form und der 2. 64-Form.
🕊️ Ursprung & Grundgedanke
Im Westen Chinas befindet sich ein Gebirge namens Kunlun, dessen Name sinngemäß „der Kopf“ oder „ein sehr wichtiger Teil“ bedeutet. Es handelt sich um ein weitläufiges und bedeutendes Gebirge. Dort entstand das Wildgans-Qigong vor etwa 1.800 Jahren, zur Zeit der Jin-Dynastie.
Die Mönche, die in dieser Region lebten, verfügten über ein hohes Wissen im Daoismus sowie in der chinesischen Medizin. Sie beobachteten die Wildgänse, die über das Gebirge hinwegflogen und dort lebten. Aus diesen Beobachtungen leiteten sie Bewegungsmuster ab und entwickelten daraus eine Übungsform, die sowohl gesundheitsfördernd als auch ästhetisch ist. Die Praxis wurde über Generationen in daoistischen Traditionen weitergegeben.
„Da Yan“ bedeutet „Große Wildgans“ und bezieht sich auf einen Vogel, der weite Strecken fliegt und in vielen Kulturen als Symbol für Verbindung zwischen Himmel und Erde gilt. In China wird die Wildgans wegen ihrer Langlebigkeit, Robustheit, Ausdauer, Schönheit und Anmut als heiliges Symbol verehrt.
Wildgans-Qigong wird dabei nicht nur als körperliche Übung verstanden, sondern als ein ganzheitlicher Weg der Harmonisierung von Körper, Geist und Qi – einschließlich Bewegungen, Atem und innerer Aufmerksamkeit.
Transformation durch Typ 1 und Typ 2
Wildgans-Qigong (Da Yan Qigong) ist kein loses Übungssystem und kein reines Gesundheits-Qigong. Es folgt einem klaren Transformationsprinzip, das in der daoistischen Tradition verankert ist: Veränderung entsteht durch Ordnung, Abfolge und Integration, nicht durch Technik allein. Im Zentrum dieses Systems stehen diese zwei Hauptformen: Typ 1 (erste 64 Bewegungen) und Typ 2 (zweite 64 Bewegungen)
Beide Formen erfüllen unterschiedliche, aufeinander aufbauende Transformationsfunktionen.
Transformation im daoistischen Verständnis
Transformation bedeutet im daoistischen Kontext eine schrittweise Umstrukturierung des Energiesystems, die sich auf Körper, Nervensystem, emotionale Muster und Wahrnehmung auswirkt.
Dieses Verständnis folgt den Prinzipien des Yijing (Buch der Wandlungen):
- Wandel geschieht in Phasen
- Jede Phase bereitet die nächste vor
- Übersprungene Schritte führen zu Instabilität
Genau dieses Prinzip spiegelt sich im Aufbau von Typ 1 und Typ 2 des Wildgans-Qigong wider.
Typ 1 – Transformation durch Reinigung und Neuordnung
Typ 1 bildet die Grundlage der Transformation. Er arbeitet überwiegend mit dem postnatalen Qi – jener Lebensenergie, die im Laufe des Lebens durch Atmung, Nahrung und Bewegung aufgebaut wird.
Transformative Wirkprinzipien von Typ 1:
- Lösung von energetischen Stagnationen
- Öffnung und Durchlässigkeit der Meridiane
- Reorganisation des energetischen Flusses
- Vorbereitung von Körper und Nervensystem
👉 Transformation bedeutet hier:
Alte Strukturen verlieren ihre Dominanz, das System wird beweglicher und aufnahmefähiger.
Typ 1 ist damit keine „Vorstufe“, sondern eine eigenständige Transformationsphase, ohne die jede Vertiefung instabil wäre.
Typ 2 – Transformation durch Stabilisierung und Integration
Typ 2 baut auf den Ergebnissen von Typ 1 auf und richtet sich auf das pränatale Qi – die angeborene energetische Grundlage des Menschen, also das, was wir aus früheren Generationen mitbringen.
Transformative Wirkprinzipien von Typ 2:
- Stabilisierung der inneren Struktur
- Integration statt Ausleitung
- Verdichtung und Kohärenz des Energiesystems
- Arbeit mit tieferen energetischen Ebenen
👉 Transformation bedeutet hier:
Das System wird tragfähig, belastbar und innerlich kohärent.
Typ 2 ist energetisch feiner, komplexer und weniger spektakulär. Seine Wirkung zeigt sich nicht primär im „Gefühl“, sondern in innerer Stabilität und Ordnung.
Transformation von Wahrnehmung und innerer Haltung
In der daoistischen Sicht beeinflusst ein stabiles Qi-System den Shen (Geist, Bewusstheit).
Als Folge der Praxis von Typ 1 und Typ 2 berichten Übende traditionell von:
- größerer innerer Ruhe
- klarerer Wahrnehmung
- geringerer emotionaler Reaktivität
- stabilerer innerer Ausrichtung
Diese Veränderungen entstehen als Resultat einer strukturierten energetischen Transformation.
Kurze Einordnung im Vergleich zu anderen Qigong-Stilen
Viele Qigong-Stile verfolgen primär funktionale Ziele:
- Gesundheitsförderung
- Stressabbau
- Beweglichkeit
- Prävention
Diese Systeme arbeiten meist:
- mit kurzen Übungssets
- ohne feste Entwicklungsabfolge
- ohne explizites Transformationskonzept
Wildgans-Qigong unterscheidet sich hier grundlegend:
- klare Struktur (Typ 1 → Typ 2)
- definierte Transformationsphasen
- Arbeit mit postnatalem und pränatalem Qi
- langfristige Systementwicklung statt kurzfristiger Wirkung
Fazit: Transformation als Weg
Wildgans-Qigong (Da Yan Qigong) ist ein klassisches Transformationssystem, kein Wellness-Programm.
- Typ 1 schafft Ordnung und Durchlässigkeit.
- Typ 2 stabilisiert und integriert.
Transformation entsteht dabei nicht durch Intensität, sondern durch korrekte Abfolge, Zeit und Kontinuität.
Nicht die Technik transformiert –
sondern die Struktur, in der sie angewendet wird.
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Snezana Sattler hat als Angestellte in Stabspositionen und als Beraterin und Seminarleiterin über 20 Jahre Erfahrung in verschiedenen Unternehmen und Branchen gearbeitet. Seit einem spirituellen Erwachen ist sie spirituelle Mentorin, Expertin für Energiekompetenz und Kundalini, Meditationsleiterin, international ausgebildete Yogalehrerin und Qigong-Coach. In ihrer Community „Gemeinsam spirituell wachsen“ begleitet sie Menschen darin, eine spirituelle Routine aufzubauen und zu praktizieren. Als Mentorin steht sie Menschen bei gesundheitlichen und beruflichen Themen und spirituellen Transformationsprozessen zur Seite. Als eine von wenigen Trainern in Deutschland unterrichtet sie das 10-minütige Wildgans (Dayan) Qigong zur Gesunderhaltung, zur Regeneration und (Selbst-)Heilung, zur Steigerung des eigenen Energielevels und zur Stärkung und Verfeinerung des Energiesystems, was insbesondere für Manager und Spitzensportler gut geeignet ist. Sie ist Produzentin der 1. deutschsprachigen Lehr-DVD für Wildgans Dayan Qigong.
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